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Was bisher geschah

 15 Einsätze seit 2005    
 Operierte Kinder: 363
 Untersuchte/ behandelte Kinder: 2180
 Kinder in Linz zur Operation: 32;
 zusätzlich 2 Erwachsene in Linz und 1 Erw. in Innsbruck zur Operation

 

Statistik 2012:

Untersuchte Kinder: 414
Operierte Kinder: 153 (davon im Herbst 19 durch das belgische Team und zwischenzeitig 36 durch Dr. Kaleb)
4 Kinder in Linz
Teilnehmerzahl: insgesamt 32

Berichte über die Einsätze 14 und 15 des Jahres 2012

Team:

Kinderurologie: Prim. Doz. Dr. Marcus Riccabona1 , Oberärztin Dr. Tanja Becker1, Prof. Dr. Josef Oswald3
Narkose: OA Dr. Franz Hornath5, OA Dr. Ludwig Neuer2
Assistenzen: Dr. Lisa Wagenhuber1, Dr. Matthias Ullner1, Dr. Gerald Klinglmair3, OMR Dr. Walter Ullner
Schwestern u Pfleger: DKKS Annemarie Laher1, DKKS Erika Pühringer1, DGKS Ulrike Lösch3, Dipl. Pfl. Christoph Macho2, Brigitte Ullner
1 KH Barmherzige Schwestern Linz
2 AKH Linz
3 Universitätsklinik Innsbruck
5 Landesfrauen- und Kinderklinik Linz

Problemloser Flug über Frankfurt – Jeddah nach Asmara; dank des Entgegenkommens von Lufthansa war wiederum eine kostenlose Beförderung unseres Übergepäcks möglich. Nach 18 Stunden am Ziel, im Hotel schmeckte das nach alter italienischer Tradition gebraute „Asmara- Bier“ zur Begrüßung gut wie immer und nach einer kurzen Nachtruhe begann am Samstag der erste Arbeitstag im „IOCCA“ – im "Internationalen Operation Center for Children in Asmara“.

Von den einheimischen Mitarbeitern freudig und herzlich begrüßt konnten wir feststellen, dass Chefpfleger Michael Haile, genannt „Quattro“, aufgrund unserer ihm übersandten Unterlagen eine perfekte Einteilung der an den jeweiligen Tagen zu untersuchenden Kinder (samt Eltern) getroffen hatte, an die einhundert Familien mit ihren Kindern sollten es bereits am ersten Tag sein.

Wie immer war es für Kinderurologen und Anästhesisten nicht leicht und teils bis zur Belastbarkeitsgrenze gehend, ohne die gewohnte hochtechnische europäische Medizin in kurzer Zeit klinisch zu entscheiden, welches Kind im Rahmen des diesmaligen Aufenthaltes operiert werden kann und muss. Die anderen Möglichkeiten sind ja nur Zuwarten oder das Kind auf Grund der Schwere der Erkrankung nach Linz bringen. Hat dieses „Nach Linz Bringen von Kindern“ in der Vergangenheit gut geklappt, so standen wir diesmal vor dem Problem, dass nach Schließung einer Botschaft in Asmara niemand zuständig ist, entsprechende Schengen-Visa auszustellen. Aufgrund der intensiven Bemühungen unseres österreichischen Botschafters in Kairo, Exc. Thomas Nader, zeichnet sich hier glücklicherweise eine Lösung ab.

Die Container mit unseren Hilfsgütern – sie sind ja monatelang unterwegs – waren schon vor Ort, sodass es mit unserer Ausrüstung keine Probleme gab, und auch all die mitgebrachten Care Pakete konnten im Laufe der Woche dann ihrer vorgesehen Bestimmung zugeführt werden.

Narkosemäßig, labortechnisch und in der instrumentellen Ausstattung sind wir ja schon seit 3 Jahren auf internationalem Niveau, das von uns nach Asmara gebrachte und seit einem Jahr eingesetzte mobile Röntgengerät ist mittlerweile fixer Bestandteil unserer Diagnostik und interventionellen Chirurgie geworden.

Die Dokumentation aller Kinder und an ihnen durchgeführten Untersuchungen und Behandlungen erfolgt seit jeher auf einem speziell von und für uns entwickelten EDV-Programm, eingesetzt wurde erstmals ein Identifikationskarten-Drucker – Kinder und Eltern hüten diese Karten fast wie ein Heiligtum.


Ein wesentlicher Punkt unserer Tätigkeit vor Ort ist die Nachhaltigkeit, sowohl in der Fortbildung der einheimischen Mitarbeiter als auch hinsichtlich der medizinischen Versorgung der operierten Kinder, so dass neben der medizinischen "Routinearbeit" auch diesem Punkt Rechnung zu tragen ist; das bedeutet für unsere Anästhesisten individuelle Schulung nicht nur der Mitarbeitern im IOCCA, sondern auch von Medizinstudenten und "nurse anesthetists".

Hinsichtlich der ärztlichen Fortbildung begann Dr. Riccabona das kinderurologisch-chirurgische Training mit dem mittlerweile dritten einheimischen Arzt.


Weiter verbessert wurde auch die Betreuung der operierten Kinder. Drei Kinderkrankenschwestern sind mittlerweile Teil des Teams, um die Pflege nach der Operation durchzuführen und die Eltern auch entsprechend zu schulen; da es auf der Station keine Pflegeleistungen durch einheimisches Personal wie in westlichen Krankenhäusern gibt, müssen die Eltern die Kinder pflegen, verbinden, waschen, für deren Ernährung sorgen und auch die Bettwäsche zur Verfügung stellen.


Seit Beginn unserer Arbeit in Eritrea stellen wir daher jedem operierten Kind in altersorientiert sortierten Paketen die notwendigen Utensilien (Hygieneartikel, Einmalwindeln und Betteinlagen, Körperpflegemittel, Textilwaschmittel, Pyjamas und Kleidung, dazu Spielsachen, Schreib- und Malunterlagen) zur Verfügung. Dazu erhalten die Eltern auch eine von unseren Schwestern erstellte, in Englisch und Tigrinnisch gehaltene und bebilderte Pflegeanleitung für die verschiedenen Operationen.


Dank vieler unser Projekt unterstützender Freunde ist es uns möglich, Gebrauchsmaterial und hier insbesondere Kleidung und Spielzeug an ein Waisenhaus in Dekemhare, ca. 30 km südlich der Hauptstadt, zu übergeben. Aufgrund von gezielt für das Waisenhaus getätigten Spenden konnten wir auch Antibiotika und andere Medikamente mitbringen. Mit war diesmal ja auch der em. Primarius für HNO, Dr. Josef Meindl, welcher dem Arzt in Dekemhare ein neues Otoskop übergeben und ihn gleich vor Ort entsprechend instruieren konnte.


Überschattet war dieser Einsatz etwas durch die von den Äthiopiern zu Ende der Woche ausgeführten Luftangriffe auf Eritrea.


Statistik:

56 Kinder wurden operiert
200 Kinder untersucht bzw. behandelt
4 Kinder werden zur Operation in Linz vorbereitet

Bericht Einsatz 15, Oktober 2012

Team:

Kinderurologie: em. Prim. Doz. Dr. Marcus Riccabona, em. Prim. Dr. Karl Sacherer, Prim. Prof. Dr. Emilio Merlini3,
Narkose: Prim. Dr. Hans Blasl4, OA Dr. Ludwig Neuer2
Assistenzen, EDV und Logistik: Dr. Julia Maier1, Dr. Matthias Ullner1, OMR Dr. Walter Ullner
Schwestern: DKKS Sabine Wewerka1, DKKS Erika Pühringer1, Brigitte Ullner
1 KH Barmherzige Schwestern Linz
2 AKH Linz
3 Ospedale Infantile Regina Margherita di Torino, It
4 KH Barmherzige Schwestern Wien

Chirurgischerseits wurde das Team durch Prof. Dr. Emilio Merlini, dem Leiter der größten italienischen Kinderurologie, verstärkt, erstmals mit dabei waren auch Dr. Karl Sacherer, ehemaliger Leiter der urologischen Abteilung in Vöcklabruck und Dr. Julia Meier vom KH der Barmherzigen Schwestern in Linz. Begleitet wurden wir von Julia Pühringer, einer Studentin der Entwicklungshilfe und dem Ehepaar Elfi und Dr. DI W. Dobramysl, den Paten von Tumzghi und Mohammedseed.

Auch stellte Prof. Dr. Guy Bogaert aus Gent, der im Frühjahr 2010 mit uns im Einsatz war, ein kleines Operationsteam zusammen, das anschließend an unsere Woche nach Asmara kam und 19 Kinder im IOCCA operierte.

Bereits am Flughafen in Linz gab es die erste Überraschung, denn Lufthansa stellte – obwohl die Buchung der Flüge bereits Monate vor dem Termin erfolgt war – die Hälfte des Teams aus völlig unerklärlichen Gründen auf „stand by“ und erst durch einen intensiven Protest am Servicecenter in Frankfurt erkannte man bei Lufthansa die Notwendigkeit, die gesamte Gruppe samt 14 Materialkisten nach Asmara zu fliegen.

Von den einheimischen Mitarbeitern freudig und herzlich begrüßt, erwarteten uns – wie immer - an die einhundert Familien mit ihren Kindern.

Nicht leicht und teils bis zur Belastbarkeitsgrenze gehend ist die Anforderung an Kinderurologen und Anästhesisten, ohne hochtechnische europäische Medizin in kurzer Zeit klinisch zu entscheiden, welches Kind im Rahmen des jeweiligen Aufenthaltes operiert werden kann und muss. Die anderen Möglichkeiten sind ja nur Zuwarten oder das Kind auf Grund der Schwere der Erkrankung nach Linz zu bringen. Bei zwei Kindern (2 u 3 Jahre alt) war das Ergebnis der Untersuchung ein Nierentumor links (Wilmstumor). Diese Kinder haben in Eritrea keine Chance, denn eine zielführende Behandlung besteht nur in Operation und Chemotherapie. Dank italienischer Sponsoren ist es Prof. Merlini möglich, dass diese Kinder nach Turin zur Therapie kommen können.

Der Container mit unseren Hilfsgütern – er ist ja monatelang unterwegs – war schon vor Ort, sodass es mit unserer Ausrüstung keine Probleme gab (denn: „Du hast nur das, was Du mithast; vor Ort kann man nichts besorgen“).

Stromausfälle und Wassermangel begleiteten auch diese Projektwoche, mittlerweile haben wir uns daran fast gewöhnt, aber auch unsere „Gegenmaßnahmen“ getroffen. Für die Operationssäle, Labor und EDV haben wir eine eigene Stromversorgung, welche im Bedarfsfall aktiv wird, mitgebracht. Dem Wassermangel begegneten wir mit viel Händedesinfektionsmittel.

Telefonisch waren wir durch die Mitnahme eines Satellitentelefons vom örtlichen Telefonnetz unabhängig.

Ein wesentlicher Punkt unserer Tätigkeit vor Ort ist die Nachhaltigkeit, sowohl in der Fortbildung der einheimischen Mitarbeiter als auch hinsichtlich der medizinischen Versorgung der operierten Kinder, so dass neben der "Routinearbeit" auch diesem Punkt Rechnung zu tragen ist; das bedeutet für unsere Chirurgen die Ausbildung eines einheimischen Arztes für das Fach Kinderurologie und für unsere Anästhesisten die individuelle Schulung nicht nur der Mitarbeiter im IOCCA, sondern auch von Medizinstudenten und "nurse anesthetists". Seit Herbst 2011 ist nun Dr. Kaleb, engagiert und talentiert, in der medizinischen „Obhut“ von Dr. Riccabona und seine Ausbildung ist bereits so weit, dass er zwischen unseren beiden diesjährigen Einsätzen 36 (wohl kleinere) Operationen im IOCCA durchführen konnte.

EDV und Dokumentation sind up to date, narkosemäßig, labortechnisch und in der instrumentellen Ausstattung sind wir ja auch schon seit 3 Jahren auf dem notwendigen Niveau, durch ein mobiles Siemens- Röntgengerät sind wir jetzt auf dem bildgebenden Sektor unabhängig. Eine großzügige finanzielle Unterstützung, vermittelt durch den öst. Botschafter in Kairo, Excellenz Dr. Thomas Nader, ermöglichte den weiteren Ausbau des Equipments für die schnittfreie Steinchirurgie.

Da es ja im Rahmen eines stationären Aufenthaltes keine pflegerische Betreuung kranker Kinder wie bei uns gibt, sondern die Eltern für die Rundum-Versorgung der Kinder zuständig sind, stellen wir daher seit Beginn unserer Arbeit jedem operierten Kind in einem altersorientiert sortierten Paket die notwendigen Utensilien (Hygieneartikel, Einmalwindeln und Betteinlagen, Körperpflegemittel, Textilwaschmittel, Pyjamas und Kleidung, dazu Spielsachen, Schreib- und Malunterlagen) zur Verfügung. Dazu erhalten die Eltern auch eine von unseren Schwestern erstellte Pflegeanleitung für die verschiedenen Operationen, bebildert und in Englisch und Tigrinnisch verfasst.

Länger geblieben sind Dr. Riccabona und Dr. Sacherer, um die pflegerische Betreuung der operierten Kinder fortzusetzen, Dr. W. Ullner um die Vorbereitungen für den 16. Einsatz im Mai 2013 zu treffen.

Statistik:

61 Kinder wurden operiert
232 Kinder untersucht bzw. behandelt
4 Kinder nach Linz mitgenommen

Die Bilanz im 8.Jahr nach Projektbeginn ist differenziert:

15 erfolgreiche Projektwochen haben stattgefunden und bei jedem Einsatz operierten wir bis zu 60 Kinder mit unterschiedlichen kinderurologischen Problemen. 32 Kinder mit komplexen Krankheitsbildern konnten wir in Linz medizinisch versorgen.

Unser Hauptziel - die unmittelbare medizinische Versorgung von Kindern, die sonst keinerlei Chance hätten - haben wir erreicht und wir können das Niveau auch auf europäischem Standard halten.

Die zweite Hauptaufgabe "Ausbildung einheimischer Ärzte und Pflegepersonen zur Selbsthilfe" ist die bei weitem schwieriger und ist bis dato nur partiell gelungen. Unsere einheimischen OP-Schwestern haben einen guten Standard erreicht, sie sind auch in der Lage, komplizierte und technisch anspruchsvolle Eingriffe wie das „stone smashing – Steinzertrümmerung“ zu assistieren.

Die wenigen Pflegepersonen auf der Kinderstation sind schwer motivierbar, hier bedürfte es einer intensiven „Zuwendung“ unsererseits, was aber aufgrund unserer vielen operativen Eingriffe fast nicht durchführbar ist. Mit den einheimischen Ärzten ist es so, dass ein hoffnungsvoller Chirurg, in den wir viel investiert hatten, das Land aus wirtschaftlichen Gründen verlassen hat und in die USA emigrierte. Seit 3 Einsätzen arbeitet jetzt Dr. Kaleb mit uns.

An der bescheidenen Infrastruktur des Zentralspitals in dem wir arbeiten hat sich in all den Jahren wohl aus Geldmangel kaum etwas geändert, mit Ausnahme in Teilbereichen, in denen Chinesen oder Europäer alles finanziert haben.

All das zeigt uns, wie wichtig doch für die nächsten Jahre unsere Anwesenheit und Hilfe vor Ort sein wird bis wir die eritreische Medizin in die „kinderurologische Selbstständigkeit“ entlassen können.