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Bericht Einsatz 9 - Oktober 2009

Team:
Kinderurologie: Prim. Doz. Dr. Marcus Riccabona1, OÄ Dr. Tanja Becker1;
Narkose: OA Dr. Ludwig Neuer2, OA Dr. Ulrike Lumetzberger1;
Assistenzen: Dr. Lisa Wagenhuber1, Dr. Matthias Ullner1, MR Dr. Walter Ullner
Schwestern: DKKS Sandra Eibensteiner1, DKKS Claudia Ehgartner1; Brigitte Ullner
1 KH Barmherzige Schwestern
2 AKH Linz

Wie immer problemloser Flug mit der Lufthansa (und Dank des Entgegenkommens des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Lufthansa, dem Österreicher Dr. Wolfgang Mayrhuber, auch eine problemlose Mitnahme von Übergepäck) von Linz über Frankfurt nach Jeddah (Saudi Arabien) und von dort nach Asmara. Abflug in Linz um 6 Uhr, Ankunft in Asmara um 23 Uhr. Das wieder erhältliche, exzellente, nach alter italienischer Tradition gebraute Bier schmeckte uns im Hotel zur Begrüßung wie immer und nach einer kurzen Nachtruhe begann am Montag der erste Arbeitstag im „IOCCA“ – im Internationalen Operation Center for Children in Asmara“.

Freudig und herzlich wurden wir am ersten Tag von den einheimischen Mitarbeitern begrüßt und stellten fest, dass uns bereits mehr als einhundert Familien mit ihren Kindern erwarteten (fast weitere hundert sollten es dann noch im Laufe der Woche sein). Das große Problem der Kinderurologen und Anästhesisten ist es, in kurzer Zeit klinisch und nur mit wenigen diagnostischen Hilfsmitteln zu entscheiden: Muss das Kind im Rahmen des diesmaligen Aufenthaltes operiert werden, können wir zuwarten oder muss es doch aufgrund der Schwere der Erkrankung mit nach Linz kommen? - Entscheidungen, die schnell und oft an der Belastungsgrenze getroffen werden. Andere Teammitglieder bereiteten zwischenzeitig alles dahingehend vor, sodass in den folgenden fünf Tagen ein volles Operationsprogramm auf höchstem medizinischem Niveau abgearbeitet werden konnte. Da der Container mit unseren Hilfsgütern, abgeschickt aus Österreich im Juni per Schiff, glücklicherweise schon vor Ort war (denn: „Was Du nicht mit hast, hast Du nicht und ist auch nicht besorgbar“), gab es materialmäßig keine Probleme und auch all die mitgebrachten Care Pakete konnten im Laufe der Woche ihrer vorgesehen Bestimmung zugeführt werden.

Ein wesentliches Ziel unserer Tätigkeit vor Ort ist die Nachhaltigkeit - Nachhaltigkeit sowohl in der Fortbildung der einheimischen Mitarbeiter als auch hinsichtlich der medizinischen Versorgung der operierten Kinder. So wollen wir neben der medizinischen „Routinearbeit“ auch diesem Aspekt Rechnung tragen. Das bedeutet für unsere Anästhesisten individuelle Schulung nicht nur der Mitarbeiter im IOCCA, sondern auch von Medizinstudenten und „nurse anesthetists“, abgestuft nach Ausbildungsstand. Dr. Kibreab, ein junger einheimischer Arzt in Ausbildung zum Kinderchirurgen, welcher nach Ende seiner Facharztausbildung den Bereich „Kinderchirurgie“ im Orotta Hospital übernehmen soll, konnte wiederum in dieser Woche bei kinderurologischen Eingriffen assistieren und unter Anleitung von Dr. Riccabona einfachere Operationen selbst durchführen. Hinsichtlich Narkosetechnik und Operationsinstrumente sind wir nun ebenfalls „up to date“.

Verbessert wurde auch die Betreuung der operierten Kinder. Einen „Stationsbetrieb“, wie er europäischen Krankenhäusern Standard ist, gibt es nicht. Das heißt: Die Eltern müssen die Kinder pflegen, verbinden, waschen, für deren Ernährung sorgen und auch die Bettwäsche zur Verfügung stellen. Zur Unterstützung übergeben wir seit Beginn unserer Arbeit in Eritrea den Eltern in altersentsprechenden Paketen die notwendigen Utensilien (angefangen von Hygieneartikel bis über Kleidung und Pyjamas zu Spielsachen, Schreib- und Malunterlagen). Durch eine schriftliche Anleitung erreichten wir einen wesentlichen Fortschritt im Pflegeergebnis, denn seit heuer können unsere Kinderkrankenschwestern allen Eltern die medizinische Versorgung ihrer Kinder nach der Operation mittels einer für ihr Kind individuell gestalteten Pflegeanleitung in schriftlicher Form (mit Fotos, in englisch und Tigryna (eine der Hauptsprachen des Landes) zu erklären. Auch diesmal blieb ein ärztliches Teammitglied nach der Einsatzwoche solange in Asmara zurück, bis auch das letzte Kind aus der stationären Pflege entlassen werden konnte. Zwei Kinder kamen mit ihm nach Linz zur Operation, ein weiteres kommt im Dezember (alles Kinder mit höchst komplizierten Steinerkrankungen). Wie immer war es eine beglückende, zufriedenmachende und trotz aller Belastungen unvergessliche Woche.

Statistik:
37 Kinder wurden operiert
179 Kinder untersucht bzw. behandelt
3 Kinder wurden vorbereitet zur Operation in Linz
Bisherige Zahlen (9 Einsätze seit 2005):
     Operierte Kinder: 322
     Untersuchte/ behandelte Kinder: 870
     Kinder in Linz: 16; zusätzlich je 1 Erwachsener in Linz und in Innsbruck